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Das schrecklichste der Schrecken, das war der Wurm, er tat am Eise lecken.

Dieser Spruch ziert das große Ölgemälde, das die Felsenkeller Brauerei AG von 1856 im Jahre 1887 in Auftrag gab. Der Eiswurm wurde 1862 in ganz Dresden durch die Geschichte des Dresdner Schneiders mit Namen Schneider bekannt. Dieser Schneider gehörte zu einem Honoratioren-Stammtisch in einem Gasthaus in der Nähe des Altstädter Rathauses.

Die Männer in der Runde, Handwerker und betuchte Bürger, hatten alle ein wenig oder auch viel Erspartes in Aktien angelegt.

Ein Mann des Geldes, der Bankbesitzer Kaiser, brachte das Gespräch auf riskante Aktienanlagen: Eisenschiffe unter Wasser, Konkurs der Suez-Kanal-Bau-AG und vom Treiben des Eiswurms gefährdetes Bier der Felsenkellerbrauerei.

Der Eiswurm lecke nämlich das Eis von den Bierfässern, so Bankdirektor Kaiser, und so werde das Felsenkeller-Bier schlecht. Natürlich hatte auch der Schneider ein paar Felsenkeller-Aktien und bekam es mit der Angst zu tun, als er vom Treiben des Eiswurms hörte. Er raste in den Plauenschen Grund zur Felsenkeller-Brauerei und  randalierte und krakeelte und forderte lautstark die Rücknahme seiner Aktien.

Doch der Brauereidirektor war nicht da und der Schneider zog unverrichteter Dinge wieder ab. Die Sorge um das Treiben des Eiswurms legte sich erst ein wenig, als Carl Linde 1876 die Kältemaschine erfand, die auch alsbald in die Felsenkeller-Brauerei Einzug hielt.

Der Spott über den Schneider Namens Schneider blieb jedoch, man dichtete ein Lied auf ihn und trank sich mit „Prosit Eiswurm!“ zu.

Der Eiswurm blieb das Erkennungszeichen für den Felsenkeller mit der klärenden postalischen Adresse „Am Eiswurmlager“.

Wenn der Spaziergänger über den Weg vom Felsenkeller hinauf nach Plauen geht, kommt er auch heute noch an der Stelle vorbei, wo sich der Eiswurm im Felsen versteckt.